Vermeidbare Rauchschäden durch falsche Taktik... müssen wir umdenken?!

Autor Dr. Markus Pulm referiert – Führungskräfte der Wetterauer Feuerwehren denken über alternative Einsatztaktik nach (Bild: Patrick Sitte)

Am Samstag, den 24. August kamen in der Rosbacher Adolf-Reichwein-Halle Feuerwehrleute aus Rosbach v.d.Höhe, dem gesamten Wetteraukreis und weiterer befreundeter Feuerwehren zusammen, um einen Fachvortrag des Buchautors und stellvertretenden Leiters der Karlsruher Berufsfeuerwehr Dr. Markus Pulm zu hören.

Auf Initiative des stellvertretenden Wehrführers der Wehr Rosbach – Sven Kaus – hatte die Wehrführerrunde beschlossen den Vortragenden einzuladen und entschieden auch Führungskräfte und Einsatzkräfte anderer Feuerwehren einzuladen. Durch die Stadt Rosbach v. d. Höhe wurde die Adolf-Reichwein-Halle zur Verfügung gestellt und seitens des Stadtbrandinspektors wurden alle Feuerwehren im Wetteraukreis und weitere umliegende Feuerwehren angeschrieben, sodass etwa 300 Zuhörer in den Genuss des kurzweiligen und interessanten Vortrags kamen.

Durch den Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Rosbach v. d. Höhe wurden Sponsoren gesucht und mit dem Vertreter der Ergo Versicherungsgruppe Thomas Schwickart aus Friedrichsdorf, der Firma Holzbau Ploner aus Rosbach, dem Landmarkt Simon in Rosbach und SLS Tronic aus Niddatal genügend Unterstützer gefunden, um die Veranstaltung für die Feuerwehren kostenfrei anbieten zu können. Um die gesamte Technik kümmerte sich unser Kamerad Guido Martin von der Firma GMK Events.

Stadtbrandinspektor Clemens Harff dankte in seiner kurzen Ansprache den Sponsoren und dem Förderverein, vertreten durch den ersten Vorsitzenden Tim Blecher, für die Unterstützung und die Organisation.  Ohne die Unterstützung durch die oben genannten Firmen, hätte eine Veranstaltung in dieser Art und Weise nicht stattfinden können.

Auch Kreisbrandinspektor Lars Henrich schloss sich diesem Dank an und freute sich über die Zusammenarbeit der Feuerwehren bei der Aus- und Weiterbildung und der gebotenen Möglichkeit für alle Feuerwehren dabei zu sein. „Dies war hoffentlich nicht das einzige Event im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit“ sagte er in seiner Ansprache. Bürgermeister Steffen Maar würdigte das Erscheinen der Feuerwehrleute bei bestem Wetter am Samstagnachmittag „sicherlich hätten viele von Ihnen zu Hause anderes zu tun, aber dies zeigt einmal mehr das Engagement und die Hilfsbereitschaft der Feuerwehren“, lobte er.

Nach den kurzen Grußworten stellte Dr. Markus Pulm sich vor und erzählte kurz von seiner Feuerwehrlaufbahn bei Freiwilliger Feuerwehr, der Werkfeuerwehr Merck und schließlich seinen Aufgaben bei der Berufsfeuerwehr Karlsruhe. Dabei erläuterte er auch, dass es nach einem Feuer in der Fachhochschule in Karlsruhe war, dass er sich das erste Mal mit den Auswirkungen und Folgeschäden durch den Feuerwehreinsatz befasste. „Damals als junger Brandreferendar musste ich meinem Chef sagen, was er bei dem Einsatz alles falsch gemacht hat, Sie können sich vorstellen wie ihm das gefallen hat“, erzählte er sinngemäß mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

In der ersten Hälfte des Vortrags sprach Pulm, wie in seinem Fachbuch „Falsche Taktik – Große Schäden“ über die Auswirkungen der Vorgehensweise der Feuerwehr auf das weitere Einsatzgeschehen und die Gesamtschadenbilanz. Durch die provozierende These, dass viele Schäden durch das Vorgehen der Feuerwehr verursacht werden, und manche sarkastische Äußerung wurden die Feuerwehrführungskräfte erstmal wachgerüttelt. „Sie können die Auswirkungen Ihres Handelns einmal ausprobieren, indem sie ans Wohnzimmerfenster Ihrer Mutter gehen und dieses schwungvoll öffnen ohne vorher die Blumentöpfe von der Fensterbank zu nehmen“ empfahl Pulm. In vielen Einsatzbeispielen zeigte er auf, welche Auswirkungen die Taktik der Feuerwehr haben kann und wo Probleme oder eine Schadenausbreitung, eventuell sogar Gefahren für die Feuerwehrleute durch überhastetes und falsches Vorgehen entstehen. Die Überlegung, wie viel mehr Schaden entsteht, wenn das Feuer in der Küche eine Minute länger brennt und ob die Vermeidung der Rauchausbreitung in ein rauchfreies Wohnzimmer diesen Schaden nicht mehr als wettmacht, regte jeden im Saal zum Nachdenken an.

Im zweiten Teil des Vortrags wurden dann alternative Ideen zum Vorgehen vorgestellt. Rauchschutztüren geschlossen halten und über Außenfenster vorgehen, ist eine dieser Ideen. Anhand von weiteren Einsatzbeispielen vom Zimmerbrand im Mehrfamilienhaus bis hin zum Feuer in einer wissenschaftlichen Fakultät wurden weitere Denkansätze vorgestellt. Auch technische Geräte zur Unterstützung der alternativen Taktik wie Hochleistungslüfter, Löschlanzen und ein mobiler Rauchverschluss wurden kurz vorgestellt.

„Ich kann natürlich kein Standardvorgehen für alle Einsätze präsentieren“, resümierte Markus Pulm, „aber nehmen Sie sich ein bisschen Zeit und benutzen sie den gesunden Menschenverstand“.

Nach dem fachlichen Teil gab es im Feuerwehrhaus Rosbach, organisiert durch den Förderverein der Feuerwehr noch etwas zu essen und kalte Getränke und natürlich die Möglichkeit sich gegenseitig und mit dem Referenten über das Gehörte auszutauschen. Von den Führungskräften gab es viele positive Rückmeldungen zu der Veranstaltung und sicherlich werden die Einsatzleiter der Feuerwehren in Zukunft bei ihren Einsätzen über die eine oder andere Idee nachdenken und sie zur Vermeidung von weiteren Schäden umsetzen.

Wir bedanken uns in besonderer Form bei Dr. Markus Pulm für den sehr interessanten fachlichen Vortrag und die lockere Atmosphäre. Durch die vielen Beispiele und seine sarkastisch witzige Erzählung konnten die Zuhörer auch bei über 30 Grad Celsius in der Halle drei Stunden gebannt folgen.

Text: Martin Schneider

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