Stadtgeschichte Rosbach v. d. Höhe

Bild Stadtgeschichte Rosbach

Die Stadt Rosbach v.d.Höhe liegt am Ostrand des Taunus, hat knapp 13.000 Einwohner und umfasst eine Fläche von rd. 45 qkm. Sie ist entstanden durch den freiwilligen Zusammenschluss der Stadt Ober-Rosbach mit der Gemeinde Nieder-Rosbach (1970) und der im Zuge der Gebietsreform angeordneten Eingliederung der Gemeinde Rodheim v.d.Höhe (1972). Mit ihren Stadtteilen entwickelte sich Rosbach in den letzten Jahren zu einem begehrten Gewerbestandort und beliebten Wohnort für junge Familien.

Zwei Rosbacher Stadtteile mit ähnlichem Geschichtsverlauf

Im Gebiet von Ober-Rosbach und Nieder-Rosbach finden sich Siedlungsspuren, die bis in die Jungsteinzeit (4500 v. Chr.) reichen. Die erste urkundliche Erwähnung Rosbachs stammt indessen aus dem Jahre 884 als Karl III. -ein Urenkel Karls des Großen- dem Kloster Fulda 8 Mansen Rosbacher Land mit Wald und Gewässern und fünf leibeigenen Familien schenkt. Ob die Schenkung Ober- oder Nieder-Rosbach betraf, geht aus der Urkunde nicht hervor.

Sicher ist aber, dass das Kloster den Grundbesitz nicht dauerhaft behielt. Im 12. Jahrhundert gehört Rosbach zum Herrschaftsbereich der Grafen von Dietz und Weilnau. Es folgen häufige Besitzwechsel, Teilungen und Verpfändungen. Anfang des 15. Jahrhunderts gehört Nieder-Rosbach ganz, Ober-Rosbach hälftig der Grafschaft Nassau-Saarbrücken; Trier und Hessen-Darmstadt halten je ein Viertel an Ober-Rosbach, das somit „dreiherrig" ist. 1632 kann die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zunächst Nieder-Rosbach und 1633 auch den 50%-Anteil an Ober-Rosbach aus dem bisherigen Nassauer Besitz erwerben. 1661 kauft der Landgraf in Darmstadt dem Kurfürstentum Trier dessen 25%-Anteil an Ober-Rosbach ab. Seither sind beide Rosbacher Stadtteile zu 100% „hessisch". Bis 1912 haben die beiden Rosbacher Gemeinden eine gemeinsame Gemarkung und teilen deren Kosten unbürokratisch im Verhältnis 1/3 zu 2/3 auf. Die reale Aufteilung der Gemarkung ist dagegen teuer, strittig und wenig später sogar überflüssig. Auch die Kirchengeschichte Rosbachs weist Parallelen auf.

Ursprünglich gehören beide Kirchen zur katholischen Mutterkirche in Straßheim, einem inzwischen verlassenen und aufgegebenen Ort südlich von Friedberg. Schon sehr früh findet die Reformation in Rosbach statt: Ober-Rosbach wird 1533, Nieder-Rosbach 1534 evangelisch. Danach wohnen nur vereinzelt Katholiken in Rosbach; ihr Anteil an der Wohnbevölkerung steigt erst wieder durch die Eingliederung der Vertriebenen nach dem letzten Krieg. 1964 wird somit in Ober-Rosbach die katholische Kirche gebaut.

Stadtteil Ober-Rosbach

Der Bedeutungszuwachs Ober-Rosbachs beginnt mit dem Erwerb der Stadtrechte im Jahre 1663 durch die Bürgerschaft. Gegen Zahlung von 5000 Reichstalern wird Ober-Rosbach zur Stadt erhoben und erhält von seinem Herren Ludwig, Landgraf zu Hessen, verschiedene Privilegien urkundlich zugesichert, insbesondere Marktrechte, eigene Gerichtsbarkeit, Brau- und Schankrechte sowie Steuervergünstigungen. Trotz vorübergehend notwendiger Schuldenaufnahme und zeitweiliger Verpfändung des Rosbacher Waldes stimulieren die Stadtprivilegien die örtliche Ökonomie gewaltig.

Zwei jährlich abgehaltene Märkte spülen rasch Geld in die Stadtkasse. Der Wein-, Obst- und Gemüsehandel floriert. Auch der Flachsanbau und das Weberei-Geschäft gedeihen gut. 1776 wird mit der Anlage von Edelkirsch-Plantagen am Kirschenberg begonnen. Rosbacher Kirschen gelten bald als Erfolgsprodukt, das den klimatisch bedingten Fortfall des Weinanbaus mehr als kompensiert. Kirschblütenfest und die Blütenkönigin erinnern alljährlich an diese Zeit.

Foto Ober-Rosbach

Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt in Ober-Rosbach der Manganerz-Abbau. Für fast ein 3/4 Jahrhundert prägt nun der Bergbau das Wirtschaftsleben der Stadt. In der Abbauzeit wird der Kirsch enberg mit über 80 Schächten überzogen, die zuletzt bis in 150 Meter Tiefe reichen. Vor dem ersten Weltkrieg arbeiten fast 200 Menschen im Rosbacher Bergbau. Das Erz wird in den Anfangsjahren mit Pferde-Fuhrwerken nach Friedberg gebracht, ab 1901 verbilligt der Bahnanschluss die Produktion. Insgesamt werden mehr als 1 Mio. Tonnen Erz in Rosbach abgebaut, bevor der Bergbaubetrieb 1926 aus Wirtschaftlichkeitsgründen schließt.

Stadtteil Nieder-Rosbach

Wahrzeichen von Nieder-Rosbach ist die sogenannte „Wasserburg", die erstmals 1356 schriftlich erwähnt wird. 1482 erhält Helfrich von Buches Burg und Burggut zum Lehen. 1554 werden die Greiffenclau zu Vollradts Herren der Nieder-Rosbacher Burg und bleiben es bis 1816. Sie bauen die Burg 1710 um, stocken ein Obergeschoss aus Eichenfachwerk und zwei Dachgeschossen auf und geben dem Gebäude in etwa sein heutiges Aussehen.

Foto Nieder-Rosbach

Der Verkauf der Burg an 68 Nieder-Rosbacher platzt, weil das benötigte Geld nicht zusammenkommt. Es folgen fast 100 Jahre mit wechselnden Besitzern, wobei jeweils Teile des Gutes zu immer höheren Preisen veräußert werden. Man spricht von „Hofschlächterei" und meint damit die Spekulanten und ihr Treiben in Rosbach. Erst 1913 kommt die Burg in Gemeindehand.

Die Nutzungsgeschichte bleibt indessen wechselvoll: Lehrerwohnung, Mietobjekt, Bürgermeisterei, Bauamt, Sozialstation sind nur Beispiele. 2006 gründet sich ein Förderverein zum Erhalt des heruntergekommenen Gebäudes. Dank geleisteter Vorarbeiten kann die Burg mit Fördermitteln kurzfristig saniert werden. Sie zeigt sich nun als Veranstaltungs- und Begegnungsstätte für Rosbacher Bürger in frischem, neuen Gewand.

Weit über die Stadtgrenzen hinaus ist das Rosbacher Wasser bekannt. Seit jeher werden die Mineralquellen zwischen Wöllstadt und Nieder-Rosbach von den Bürgern zur Eigenversorgung genutzt und schon 1584 wird von der wohltuenden Wirkung der Sauerbrunnen berichtet. Die gewerbliche Nutzung des hochwertigen Mineralwassers beginnt erst 1878. Ein englischer Whisky-Fabrikant kauft die Förderrechte von der Gemeinde. Um 1900 erlebt Rosbacher Wasser, als „Empress of table waters" weltweit vermarktet, eine erste Blütezeit. Nieder-Rosbacher Wasser wird in China, USA und am Zarenhof getrunken.

1935 gelangt der Brunnen an die Brüder Appel aus Bad Vilbel. Der Betrieb wächst stetig und bleibt im Krieg unbeschädigt. Starkes Wachstum prägt auch die Folgejahre. Zur Jahrtausendwende hat der Rosbacher Brunnen 280 Mitarbeiter. Jährlich füllt der Betrieb 100 Mio. Flaschen Mineralwasser. 2001 wird die Firma insolvent und vom Bad Vilbeler Hassia Brunnen übernommen. Am Standort Rosbach wird eine hochmoderne Abfüllanlage errichtet sowie eine Verbindungsleitung für Mineralwasser von und nach Bad Vilbel installiert. Damit kann die Abfüllung je nach Auslastung der beiden Standorte Rosbach und Bad Vilbel flexibel gesteuert werden.

Stadtteil Rodheim

Markanter Blickfang und Wahrzeichen der Gemeinde Rodheim v.d.Höhe ist der 48 m hohe Kirchturm, von dem das Rodheimer Geläut ertönt. Der Turm mit seinem 1715 erneuerten, gestuften Haubenhelm, zeugt von einem im Spätmittelalter errichteten Kirchbau, der nicht mehr erhalten ist. Heute ist die 1735 fertiggestellte Kirche der ehemaligen lutherischen Gemeinde das Zentrum der evangelischen Christen. Das Gotteshaus der Katholiken befindet sich seit 1954 in der Gartenstraße.

Foto Rodheim

Der erste urkundliche Nachweis von Rodheim kann mittels einer Schenkungsurkunde im Lorscher Kodex auf das Jahr 805 (806 oder 807) datiert werden. Im Hohen Mittelalter gehörte Rodheim zum Herrschaftsbereich der Herren von Münzenberg. Als diese 1255 in männlicher Linie ausstarben, wurde das Territorium unter 6 Erben aufgeteilt, darunter die Herren von Hanau und Falkenstein. Obwohl Falkenstein seinen Anteil in der Folge bis auf 5/6 vergrößern konnte, gelang es Ulrich III. von Hanau ab 1354, 1362 auch mit kaiserlicher Unterstützung, seine Machtansprüche in Rodheim erheblich zu erweitern. Dazu gehörte das vom Kaiser verliehene Recht der burgartigen Befestigung Rodheims und die Gewährung der gleichen Freiheiten, wie sie die Stadt Frankfurt besaß. Nach einem Reichskrieg gegen Falkenstein war der Anteil Hanaus an Rodheim ab 1366 auf die Hälfte gestiegen und ab 1572/78 waren die Grafen von Hanau die alleinigen Ortsherren.

Unter hanauischer Herrschaft wurde Rodheim ab etwa 1600 zum Zentrum des Amtes Rodheim, zu dem noch die Gemeinden (Burg-)Holzhausen (ab 1741), Ober- und Nieder-Eschbach sowie Steinbach gehörten. Mit dem Aussterben der Hanauer Grafen 1736 wurde die Oberhoheit über die Grafschaft Hanau bis 1806 von der Landgrafschaft Hessen-Kassel ausgeübt. Nach einem 4-jährigen französischen Intermezzo kam Rodheim 1810 an das Großherzogtum Hessen (Darmstadt), zu dem es bis 1918 gehörte. Das Amt Rodheim hatte noch bis 1821 Bestand, als die Ämter durch Landratsbezirke bzw. -kreise ersetzt wurden.

Seit der Zugehörigkeit Rodheims zum Großherzogtum Hessen werden zahlreiche neue Entwicklungsimpulse erkennbar. Hervorzuheben sind hier die Verwaltungsreform von 1821, die erste katastermäßige Erfassung der Gemarkung (1842-48), der Bau der Rodheimer Schulhäuser 1863/64 und 1911/12, der Bau einer neuen Wassergewinnungsanlage 1867/68, die Eröffnung einer Kaiserlichen Postagentur 1872, der Anschluss an das Telefonnetz 1885 und an das Stromnetz 1913, die Flurneuordnung im Rahmen der ersten Flurbereinigung 1893-95 und die Einweihung der Eisenbahnstrecke Friedberg-Friedrichsdorf 1901. Nach dem 1. Weltkrieg - jetzt gehörte Rodheim zum Volksstaat Hessen, so hieß das Großherzogtum jetzt, - waren der Kanal- und Wasserleitungsbau in den Jahren 1927/28 bedeutende Schritte zur Modernisierung des Dorfes.

Infolge eines Großfeuers im August 1951 wurde der Bau des 1953 eingeweihten Schwimmbades, das auch als Löschwasserreservoir dienen sollte, beschlossen. Eine größere Baumaßnahme im Ortszentrum war 1956 der Abriss des baufälligen Kirchenschiffs der sog. „Großen Kirche" und die Errichtung eines Dorfgemeinschaftshauses mit integriertem Kindergarten auf dem freiwerdenden Gelände 1958. Das starke Bevölkerungswachstum seit den frühen 1960-er Jahren machte den Bau einer neuen Schule notwendig.

Die Erich-Kästner-Schule ist am 19. August 1966 durch den Namensgeber eingeweiht worden.

Durch die hessische Gebietsreform verlor Rodheim am 01. August 1972 seine kommunalpolitische Selbstständigkeit und ist seither Stadtteil von Rosbach vor der Höhe, konnte aber trotzdem im Jahre 2005 seine 1200-Jahrfeier abhalten.